Die Frauenbewegung Vorarlberg ermittelte in einer Umfrage, wie sich die Corona-Situation auf unterschiedliche Lebensbereiche von Frauen ausgewirkt hat. „Das Ergebnis bestätigt: Wir sind auf einem guten Weg, aber noch lange nicht am Ziel“, so Frauenbewegung-Landesleiterin und Landesrätin Martina Rüscher.

Über 42 Prozent der rund 200 Teilnehmerinnen an der Umfrage der Frauenbewegung sieht aufgrund der Corona-Krise Auswirkungen auf die bisher erlangten Ziele auf dem Weg zur Gleichberechtigung (Grafik 1). „Gerade während des Lockdowns ist auch vielen Männern aufgefallen, dass sich das bisschen Haushalt dann doch nicht von allein macht“, so die Landesleiterin der Vorarlberger Frauenbewegung, Martina Rüscher. Rund die Hälfte der befragten Frauen gab an, während der Krise mehr gefordert und gestresst gewesen zu sein (Grafik 2). Etwa 45 Prozent tragen alleine oder hauptsächlich die Last bei der Betreuungsarbeit der Kinder in der Familie (Grafik 3), bei der Haushaltsführung sind es über 80 Prozent (Grafik 4). „Diese und einige weitere Erkenntnisse aus der Umfrage ,Frauen brauchen mehr als nur Anerkennung’ bestätigen die Frauenbewegung einerseits auf ihrem Weg, zeigen andererseits aber auch, dass es in vielen Bereichen noch große Anstrengungen brauchen wird, damit von echter Gleichberechtigung die Rede sein kann.“

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit

Zu den wichtigsten Forderungen der Umfrage-Teilnehmerinnen gehört die Einführung eines automatischen Pensionssplittings, die bereits seit Jahren im Leitantrag der Frauenbewegung verankert ist. „Wenn man als Paar gemeinsam ein Kind in die Welt setzt, hat man auch eine gemeinsame Verantwortung für dieses Kind“, erklärt Frauen- und Gleichstellungssprecherin LAbg. Gabriele Graf. „Die Elternteile, die einer Erwerbsarbeit nachgehen, geben dem jeweils anderen Elternteil einen Teil der Pensionsansprüche ab. Es handelt sich dabei um einen wichtigen Baustein insbesondere im Kampf gegen die Altersarmut von Frauen und ist gleichzeitig ein Anreiz, dass beide Elternteile einer Erwerbsarbeit nachgehen“, so die Landtagsabgeordnete. Das freiwillige Pensionssplitting ist bereits möglich, wird aber so gut wie überhaupt nicht angenommen: „Insgesamt haben sich in Österreich gerade einmal 169 Paare dazu entschlossen, sich ihre Pensionsansprüche aufzuteilen. Das zeigt eindeutig, dass wir hier mit Freiwilligkeit leider nicht weiterkommen.“

Ähnlich vehement werden im Rahmen der Umfrage auch mehr Wertschätzung, Lohngleichheit und mehr Frauen in Führungspositionen sowie in politischen Funktionen gefordert.“

Modernes Familienbild

„Damit sich auch in den Köpfen nachhaltig etwas ändert, wünschen wir uns außerdem, dass Gleichberechtigung schon im Kindergarten und in der Schule thematisiert wird“, führt Landesrätin Rüscher weiter aus. „Corona ist auch eine Chance, das Image der Lehrerinnen und Lehrer zu verbessern, gleichzeitig die Betreuungsangebote zu erweitern und für ein moderneres Familienbild einzutreten. Die Planbarkeit für Familien sollte daher zeitgemäßer werden. Wir brauchen mehr Ganztagsschulen und weitere Angebote, die in Kombination mit modernen Arbeitszeitmodellen die Vereinbarkeit von Beruf und Familie für beide Elternteile ermöglichen“, ist Rüscher überzeugt.

Homeoffice statt Betreuungsurlaub

„Gerade die Corona-Zeit hat hier einige Potenziale aufgezeigt, die wir für die Zukunft mitnehmen sollten“, erklärt Gabriele Graf weiter. „Homeoffice und Homeschooling unter einen Hut zu bringen haben viele Frauen in Vorarlberg gut gemeistert. Rund drei Viertel der Befragten gaben an, in der Corona-Zeit Familie und Beruf gut miteinander verbunden zu haben. Hier wäre etwa denkbar, über Homeoffice statt Betreuungsurlaub zu reden. Unsere Forderung heißt ganz klar, dass Arbeit nach Kompetenz und Leistung, nicht nach Anwesenheit am Arbeitsplatz entlohnt werden soll.“

Für mehr Anerkennung

Das Ergebnis der Umfrage unter rund 200 Teilnehmerinnen sei für Frauensprecherin Gabriele Graf einerseits positiv, da sich schon einiges in die richtige Richtung bewege. Gleichzeitig sei es aber auch Ansporn und Bestätigung, dass die Arbeit der Frauenbewegung an den richtigen Punkten ansetzt: „Viele Frauen bestätigen, dass sich die Wertschätzung ihnen gegenüber erhöht hat. Von echter Gleichberechtigung sind wir aber leider in vielen Bereichen noch weit entfernt. Darum wird die Frauenbewegung auch zukünftig nicht müde werden, für mehr gesellschaftliche Anerkennung der Leistung von Frauen zu arbeiten. Ohne den Einsatz von Frauen während des Lockdowns – sei es als Systemerhalterinnen im Beruf oder in der Familie – wäre unser System unweigerlich zusammengebrochen."

Grafik 1: Sehen Sie aufgrund der Corona-Krise Auswirkungen auf die bisher erlangten Ziele auf dem Weg zur Gleichberechtigung?

Grafik 2: Sind Sie in Zeiten der Corona-Krise mehr gefordert und gestresst als vorher?

Grafik 3: Wer trägt in Ihrer Familie die Hauptlast bei der Betreuungsarbeit der Kinder?

Grafik 4: Wer trägt in Ihrer Familie die Hauptlast bei der Haushaltsführung?

Grafik 5: Können Sie in der Corona-Zeit Familie und Beruf gut verbinden?

Foto: mauche.at


Vorarlberg präsentiert Krisenplan II gegen den Lockdown

Angesichts der stabilen Entwicklung können die Corona-bedingten Bestimmungen bzw. Einschränkungen schrittweise gelockert werden und der Blick ist wieder nach vorne gerichtet. Da das Coronavirus zwar weitgehend eingedämmt, aber nicht verschwunden ist, werden seitens des Landes Vorarlberg nun von allen Ressorts und wesentlichen Systempartnern Rückmeldungen zur Dokumentation der gesetzten Maßnahmen eingeholt und Empfehlungen für die kommenden Monate erarbeitet. „Es ist wichtig, dass wir aus den bisher gemachten Erfahrungen rasch die richtigen Lehren ziehen, um im Falle eines neuerlichen Ansteigens der Infektionszahlen rasch und richtig zu handeln“, so Landeshauptmann Markus Wallner und Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher im Pressefoyer am Dienstag, 30. Juni. Deshalb wird derzeit ein umfangreicher Krisenplan II erarbeitet, um einen erneuten Lockdown jedenfalls zu vermeiden.

„In der derzeitigen Situation sind zwei Dinge wichtig: Zum einen wachsam sein und die Entwicklung der Zahlen sorgsam beobachten, zum anderen die Eigenverantwortung stärken angesichts der schrittweisen Lockerungen“, betonte Wallner. Es gelte alles dafür zu tun, dass es nicht nochmals zu einer Infektionswelle kommt, die ein komplettes Herunterfahren aller Systeme erfordern würde. Zu diesem Zweck beinhaltet der vom Land Vorarlberg entwickelte Krisenplan II acht wesentliche Punkte, um einen zweiten Lockdown zu verhindern – die Einführung eines Corona-Warndienstes, die Optimierung der Kontaktpersonen-Erhebung, die Sicherstellung ausreichender Testkapazitäten und einer krisensicheren Beschaffungsstruktur, die Ausarbeitung einer Teststrategie für die heimische Wirtschaft und Konzipierung eines Leitfadens für Veranstaltungen, die rasche Einberufung der Koordinations- und Krisenstäbe sowie eine aktive und transparente Kommunikation der Bevölkerung.

Vorbild für das neue Corona-Warnsystem ist der Lawinenwarndienst. „Mit einer Farbskala, die derzeit auch mit der Bundesebene abgestimmt wird, soll im Vorarlberger Corona-Dashboard rasch erkennbar sein, welche Warnstufe im Moment in welcher Gemeinde herrscht. Demgemäß wird dann jeweils die Umsetzung weiterer Maßnahmen geprüft“, erläuterte Landesrätin Rüscher. Damit auch in den kommenden Monaten Infektionen rasch erkannt und Infektionsketten unterbrochen werden können, wird das Infektionsteam als „Herzstück“ der Test-Infrastruktur bis mindestens Ende des Jahres weiter bestehen bleiben. Gleichzeitig wurde der Standort in der Walgaukaserne in Regelstrukturen in Bregenz überführt. Die aktive Besetzung des Teams wird auf zwölf Personen reduziert, kann aber bei Bedarf jederzeit aufgestockt werden. Die zentrale Testabnahmestelle in Röthis wird ebenfalls weitergeführt, bei Bedarf können auch wieder mobile Teams zum Einsatz kommen. Die Testkapazität liegt derzeit bei ca. 400 Tests pro Tag an sieben Tagen die Woche. Auch symptomfreie Personen können sich zum Selbstkostenpreis zu einer Testung anmelden, so Rüscher. Siehe dazu auf https://vorarlberg.at/coronatest.

Um die Verfügbarkeit und Verteilung von Schutzmaterialien für die Vorarlberger Gesundheitsversorgung sicherzustellen, setzt das Land weiter auf einen zentralen Einkauf. „Dabei werden vor allem regionale Beschaffungsmöglichkeiten geprüft, um die Abhängigkeit vom Weltmarkt zu reduzieren“, sagte Landeshauptmann Wallner. Weiters gelte es, eine Teststrategie für die Wirtschaft zu entwickeln, um den heimischen Betrieben die höchstmögliche Sicherheit im Umgang mit Corona zu geben, damit sie optimistisch in die Zukunft blicken und nach der Krise bestmöglich durchstarten können. Außerdem wird ein Leitfaden mit Checklisten für die Organisation bzw. Durchführung sowie den Besuch von Veranstaltungen erarbeitet. Darin werden Maßnahmen zusammengefasst und Empfehlungen ausgesprochen, die als Veranstalter, aber auch als Besucherin bzw. Besucher zu beachten sind.

Unterschiedliche Koordinationsstäbe stellen sicher, dass die notwendigen Beteiligten informiert sind und Schnittstellen verbessert werden. Neben dem zentralen Koordinationsstab unter Führung von Landeshauptmann Wallner werden bei Bedarf auch die Task Force Covid-19 für Spitäler und niedergelassene Gesundheitsversorgung sowie separate Krisenteams in den Bereichen Gesundheit, Pflege und Verwaltung bei Bedarf weiter fortgesetzt und die Schnittstellen optimiert.

Schließlich wird auch die aktive und transparente Kommunikation mit der Bevölkerung weiterverfolgt, betonte Landesrätin Rüscher. Dafür steht neben dem Dashboard, der Website des Landes sowie der App Xsund weiterhin die Gesundheitshotline 1450 als zentrale Informationsdrehscheibe zur Verfügung. Intern werden die IT-Systeme weiter ausgebaut, um die Umsetzung von Homeoffice, Videokonferenzen o.ä. zu stärken. Digitale Informationen und Formulare werden laufend an neue Rechtsgrundlagen angepasst und aktualisiert.

Der Public Health-Experte Armin Fidler sieht die Landesregierung mit diesem Maßnahmenpaket auf dem richtigen Weg. „Wir müssen wachsam bleiben, um rasch reagieren zu können. Der Krisenplan des Landes ist die richtige Antwort“, so Fidler. Dies gelte auch im Hinblick auf Jahreszeit-übliche Grippewellen im Herbst und Winter.

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VP-Gesundheitssprecherin Susanne Andexlinger unterstützt die von Landesrätin Martina Rüscher eingeschlagene Vorgehensweise in Sachen Kinderonkologie: „Ich bin froh, dass es gelungen ist, ein qualitätsvolles Versorgungssystem für die betroffenen Patientinnen und Patienten und deren Eltern zu etablieren. Natürlich müssen Behandlungen und die dazu nötigen Abläufe weiter optimiert und angepasst werden. Dieses stabile System jetzt wieder komplett über den Haufen zu werfen, ist nicht sinnvoll“.

Andexlinger appelliert, die Gespräche mit der ÖGK intensivieren, damit die bestehenden Abläufe für die Patientinnen und Patienten und deren Eltern vereinfacht werden und das Schnittstellenmanagement weiter verbessert wird.

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Was wäre Europa ohne die Frauen? Und umgekehrt.

Bei der Frauen.Enquete der Vorarlberger und Tiroler VP Frauen standen Europa-Themen im Mittelpunkt.

St. Anton am Arlberg. Bereits zum zweiten Mal organisierten die Vorarlberger und Tiroler Frauen der Volkspartei eine gemeinsame hochkarätige Tagung, bei der Information und Wissensvermittlung im Vordergrund stehen.

Im Mittelpunkt stand Europa

Bereits von Beginn an gaben Europa Themen den Ton an. Der Leiter des Tirol-Büros in Brüssel, Richard Seeber, informierte, wie in Europa Gesetze und Richtlinien entstehen und erzählte dabei auch, was hinter den Kulissen so alles passiert, z.B. wie aus einer einfachen EU-Richtlinie in der Ausführungsgesetzgebung der nationalen Vertreterinnen eine Pommes-Farbkarte entsteht. Martha Schultz, Vizepräsidentin der österreichischen Wirtschaftskammer und Bundesvorsitzende von Frau in der Wirtschaft, und auch in Europa als Vizepräsidentin von EUROCHAMBRES (Dachverband der Europäischen Industrie- und Handelskammern) sehr aktiv, erzählte von Wirtschaftsvertretungen in Europa, der Bedeutung des internationalen Handels und den Bemühungen, ein europäisches Frauen Netzwerke auf die Beine zu stellen.

Kandidatinnen der Volkspartei Standen Rede und Antwort

Othmar Karas eröffnete als Überraschungsgast die Tagung und die beiden SpitzenkandidatInnen, Barbara Thaler und Christian Zoll, standen Rede und Antwort. Das Publikum entschied über eine Onlineplattform, über welche Themen sie gerne mehr erfahren würden. Beide KandidatInnen meisterten diese Frage-Antwort-Stunde bestens und begeisterten die Anwesenden.

Diplomatie in Europa

Die erfahrene Diplomatin Gerlinde Manz-Christ, die über Jahrzehnte für Österreich und Liechtenstein in vielen diplomatischen Krise vermittelt hat, berichtete, wie Diplomatie zwischen Staaten und Politikerinnen funktioniert und welche Leitsätze man davon auch persönlich im Alltag anwenden kann. Mit Diplomatie zum Sieg - eine starke weibliche Eigenschaft. Den humorvollen Abschluss zum Thema Diplomatie in Europa brachte Lisbeth Bischoff: Sie erzählte, wie mehr oder weniger diplomatisch die Royals in Europa agieren und erzählte das eine oder andere Bonmots dazu, beispielsweise wie die Queen den Besuch von Donald Trump mit ihren Broschen sehr klar kommentierte.

Die Organisatorinnen waren sich am Ende der Veranstaltung einig: Die Frauen.Enquete geht auch 2020 weiter. „Es ist wichtig, dass sich Frauen zu wesentlichen tagespolitischen Themen informieren, darüber diskutieren, sich eine Meinung bilden und diese auch nach außen vertreten. Eine wesentliche Aufgabe der VP Frauenbewegung, der stärksten Frauenorganisation in unseren Ländern!“, sind sich die Landesleiterinnen Martina Rüscher aus Vorarlberg und Elisabeth Pfurtscheller aus Tirol einig.


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